Allgemein

Stille

Stay at Home: Tag 70! Wir beklagen uns nicht – denn im Vergleich zu vielen anderen Menschen können wir problemlos das Haus verlassen, wenn wir einkaufen oder spazieren gehen wollen. Einkaufen steht höchstens alle 7-9 Tage an, spazierengehen jedoch täglich (wenn das Wetter es zulässt). Am liebsten sind uns lange, einsame Spaziergänge ohne auf andere Menschen zu treffen (denn dann kann auch der Mundschutz in der Jackentasche bleiben).

Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb Menschen sich beim Wandern laut unterhalten müssen oder ihre Ohren mit Ohrhörern und Musik verstopfen. Die Stille im Wald ist doch einfach unschlagbar erholsam und wohltuend. Auf unserem letzten Spaziergang musste ich an den (etwas durchgeknallten und durchaus unterhaltsamen) spirituellen Autor Eckhart Tolle denken: „Wann immer um dich herum Stille herrscht, solltest du darauf lauschen. Ihr Aufmerksamkeit schenken. Auf die äußere Stille zu lauschen, eröffnet dir die Dimension der Stille in dir selbst, denn nur durch die innere Stille kannst du der äußeren Stille gewahr werden„. – Eckhart Tolle

Hört Euch hier mal den lustigen Schrei des „Red Winged Blackbird“ (auf deutsch „Rotflügelstärling“) an:

In diesem Sinne: Öfter mal rausgehen und ganz bewusst die Ruhe (oder den Gesang der Vögel) geniessen!

Allgemein

Unser persönliches Corona-Update

Nun sind wir seit dem 13. März zu Hause. Kontaktsperre. Stay at Home Order. Für uns persönlich hat sich nicht allzu viel geändert. Ich arbeite ja eh von zu Hause aus. Kinder sind auch nicht vorhanden und somit weder zu beschulen noch zu bespaßen.

Natürlich verfolgen wir täglich aufmerksam die Nachrichten: national sowie international. Zu unserem täglichen Programm gehören die Podcasts:
* „The Daily“ von der New York Times (US),
* „Today in Focus“ von The Guardian (UK),
* „Auf den Punkt“ von der SZ,
* „Was Jetzt?“ von der ZEIT (teilweise sehr schwach – im Vergleich zu den vorher genannten Podcasts),
* „Acht Milliarden – der Auslands-Podcast“ vom SPIEGEL
und natürlich
* „Das Corona Update mit Christian Drosten“ vom NDR.
Selbstverständlich lesen wir auch aufmerksam die Online-Publikationen der oben genannten Zeitungen. Bei diesem Informationspensum fällt es mir ein wenig schwer, meine wöchentliche DIE ZEIT von vorne bis hinten durchzulesen. Für Belletristik und andere eskapistische Literatur bleibt da gerade leider wenig Zeit. Auch wie in meinem vorherigen Post erwähnt, will ich gar nicht auf nationale/internationale Politik eingehen. Nur soviel: der Governor von Washington State Jay Inslee meistert diese Krise im Rahmen seiner Möglichkeiten (und mit viel Gegendruck aus Washington) zielgerichtet, transparent und bravurös.

Wir wohnen ja ziemlich weit ab vom Schuss. Zum nächsten Supermarkt sind es knappe 15km. Wir fahren maximal alle 7 oder 9 Tage zum Einkaufen. Viel braucht man zu zweit (und wenn man nur 2x am Tag isst) eh nicht. Nachmittags (nach getaner Arbeit und einem Kopf voller Nachrichten aus aller Welt) gehen wir meistens lange im Wald spazieren – schließlich wohnen wir ja praktisch ein einem.
Auch erkunden wir gerade bis dahin unbekanntes Terrain: den Golfplatz. Der Golfplatz liegt ja mehr oder weniger direkt vor unserer Haustür. Bis jetzt war das Betreten jedoch ausschließlich den Golfern erlaubt. Aber in Zeiten Coronas müssen die Golfer zu Hause bleiben und die Spaziergänger und Jogger erobern dieses herrliche Stückchen Natur am Lake Whatcom.

Sollte das Wetter nicht mitspielen, so machen wir zu Hause Yoga. Das jahrelange Yoga-Studium mit großartigen Lehrern aus aller Welt hat sich gelohnt – wir können beide unabhängig voneinander locker eine 60-minütige Sequenz hinlegen, die uns am nächsten Tag einen mächtigen Muskelkater beschert. Das macht uns – ehrlich gesagt … ziemlich happy!

Was stellen wir noch so an?
Mitte März haben mich meine Freunde mit einer netten Geburtstagsparty überrascht – dieses Jahr virtuell via Facetime. Das war sehr, sehr nett und natürlich auch ein wenig traurig, weil wir nicht zusammen sein konnten. Seitdem treffen wir uns jeden Freitag Abend via Videokonferenz, halten uns gegenseitig auf dem Laufenden, lachen und trösten uns und spielen sogar eine ziemlich abgefahrene Version der Montagsmaler namens „Drawful“ zusammen.

Auch kulturell bleiben wir auf dem Laufenden. Dank lieber Freunde zu Hause haben wir uns vor Kurzem aus der Kammer 4 der Münchner Kammerspiele das Stück „These Teens Will Save the Future“ angeschaut und anschließend eine sehr spannende und lustige Diskussion via Skype geführt. Kommende Woche steht „Die Schande Europas“ (ebenfalls Kammer 4 der Münchner Kammerspiele) auf dem Programm. Es sprechen der Regisseur Milo Rau und Jean Ziegler live über dessen aktuelles Buch „Die Schande Europas“ und die aktuelle Lage in den Flüchtlingslagern an Europas Außengrenzen, die sich durch die globale Pandemie deutlich verschärft hat.

Das hiesige Programmkino „The Pickford“ kämpft in diesen Tagen auch ums Überleben. Pickfords „virtueller Kinosaal“ bietet derzeit ein tolles Programm an – so können wir unser heiss geliebtes Kino wenigstens aus der Ferne unterstützen. Toll war der Film „Fantastic Fungi“ mit anschließender Q&A mit dem Regisseur und anderen Menschen, die an dieser Doku mitgearbeitet haben.

Seit dem 17. März bin ich fleissig am nähen von „Face Masks“. An dieser Stelle frage ich mich immer: wie ist der Plural von „Mundschutz“? Ich habe sehr lustige Antworten von einigen von Euch bekommen: Mundschutzies, Mundschützer, Maultaschen uvm..
Bis jetzt habe ich an die 50 Masken genäht und verschenkt und gespendet. Ich bin wirklich kein Profi an der Nähmaschine, aber das Nähen dieser Masken ist wirklich einfach!

Thema Einkaufen: das empfinden wir auch als ungewöhnlich entspannt.
Damit das „social distancing“ eingehalten wird, werden immer nur 25-50 Leute (je nach Größe des Supermarkts) in den Laden gelassen. Die Wartenden stehen brav vor dem Supermarkt in einer langen Schlange – den 6 feet (2 Meter) Sicherheitsabstand einhaltend.

Herr R. und ich in der Schlange vorm Supermarkt

Seitdem die Grenzen von und zu Kanada geschlossen sind und die Kanadier nicht zum Einkaufen kommen, sind die Regale auch nicht mehr komplett leergeräumt. Klopapier ist wieder verfügbar. Die neue Mangelware ist nun Mehl. Anscheinend sind nun alle unter die Bäcker gegangen. An den Laternenpfählen in San Francisco findet man sogar Sauerteigstarter zum Mitnehmen. Das ist sogar Schlagzeilen wert:

Kostenloser Sauerteig Ansatz in SF
(pic by Mike & Angelika Schilli)

Wir haben ja schon vor Corona unser Brot selbst gebacken. Mehr dazu vielleicht in einem zukünftigen Blogpost.

Damit diese Tage der Selbstisolation nicht nur so an uns vorbei rauschen, wollte ich dies ein wenig besser für uns visualisieren. Deshalb falten wir für jeden Tag „Stay at Home“ (Kontaktsperre) einen Kranich und hängen diesen an einem Nylonfaden in unser Fenster. Inzwischen haben wir 30 Stück im Fenster hängen – und es werden sicherlich noch mehr werden.

In diesem Sinne: Stay at home, stay patient, stay healthy & kind

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Sendepause

Aufgrund des Coronaviruses und den damit verbundenen Reiseeinschränkungen bleiben auch wir erstmal zu Hause. Absolut in Ordnung. Ich will an dieser Stelle auch auch gar nicht auf Dinge wie Händewaschen, Hamsterkäufe, politische Entscheidungen, Eigenverantwortung etc. eingehen.

Also, was passiert hier gerade bei uns? Nicht besonders viel. Nachdem Washington State seit gestern zum Risikogebiet erklärt wurde, sind nun auch bei uns die Schulen für sechs Wochen geschlossen, ebenso mussten (ausser Apotheken und Supermärkten) alle Geschäfte und Kneipen schließen. Wirtschaften dürfen nur noch Take-Out anbieten. „Social Distancing“ ist das Zauberwort. Wer kann, arbeitet von zu Hause aus, die anderen Menschen müssen leider den Verdienstausfall in Kauf nehmen.

Und nachdem der Frühling langsam im Anmarsch ist, nutzen wir die sonnigen Nachmittage zum Wandern. Das macht den Kopf frei … für die nächsten Grusel-Nachrichten …

Wer sich inzwischen im Dschungel der „Nachrichten“ nicht mehr auskennt, dem möchte ich an dieser Stelle den sehr informativen und unaufgeregten NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten“ ans Herz legen
(Danke für die Empfehlung, Olli!).

In diesem Sinne: Bleibt zu Hause, Stay Healthy & Kind!

Allgemein

Portland

Kurzausflug nach Portland. Von der City of Subdued Excitement braucht man knapp 5 Stunden in die ca. 400km entfernte „Stadt der Rosen“ (wie Portland auch genannt wird). Portland gefällt mir sehr gut. Fast überall gibt es Fahrradwege, die Menschen sind unglaublich freundlich, die Stadt hat einen linksliberalen hippie- und ökomässigen Vibe, man findet noch richtige Neighborhoods mit kleinen Einzelhändlern (die grossen Ketten bleiben noch draussen) und viel Kunsthandwerk.

Das Highlight unserer Portland-Reise war neben dem Wiedersehen mit guten Freunden (die vor kurzem dorthin gezogen sind), der Besuch von „Powell City Books“. Für mich Leseratte das reinste Paradies: Der Laden umfasst einen kompletten Straßenblock und ist mit einer Verkaufsfläche von 6317 m² eine der größten unabhängigen Buchhandlungen der Welt.

Nach so vielen Büchern bekommt man bei einem Spaziergang entlang des Willamette Rivers den Kopf wieder frei.

Ein weiteres Highlight war das gemeinsame Kochen. Unsere Freunde sind leidenschaftliche Hobbyköche und Kayo’s original japanische Ramen sind legendär. Ramen sind eine eigene Art japanischer Nudeln, die traditionell in einer Suppe/Brühe serviert werden. Ramen gehört in Japan zu den wichtigsten Gerichten, die in Europa in die Kategorie Fastfood fallen würden. Allein in Tokio gibt es angeblich mehr als 5000 Ramenläden. Dabei ist die Zubereitung alles andere als „fast“. Die Brühe haben wir am Vorabend angesetzt. Nachdem die Anzahl der Vegetarier/Veganer in unserer Gruppe überwiegt, haben wir eine vegane Brühe aus Wasser, Kombu (= Alge, reich an Nährstoffen und Werten wir Eisen, Kalium, Calcium, Jod, Vitamin A, Vitamin D und Folsäure), Shiitake Pilzen und gerösteten Sojabohnen gekocht. Die Brühe simmert ein paar Stunden vor sich hin, bleibt dann einfach auf dem Herd stehen und wird nach ca. 24 Stunden abgeseiht und mit weiteren japanischen Leckereien gewürzt.
Der Nudelteig für die meisten Ramen besteht aus den Grundbestandteilen Weizenmehl, Salz und Wasser. Der Teig ist sehr, sehr zäh – lässt sich aber gut verarbeiten. Kayo hat aus frisch gemahlenen Haselnüssen (fast Haselnussbutter) und Miso eine salzig-nussige Paste gemacht, die sie unsere Suppenschüsseln gab. Dann wurden die gekochten Ramennudeln darauf verteilt, mit Brühe übergossen, mit im Ofen gerösteten Tomaten und Shiitake Pilzen garniert und schon schlürften wir drauf los. Das war wirklich eine der besten Ramen, die wir je gegessen haben.

In diesem Sinne:

Kulinar(r)isch

Goji Beeren Mandel Trüffel

Goji Beeren sind nicht nur extrem lecker, sondern werden oft auch als „Superfood“ bezeichnet. Sie enthalten u.a. mehr B-Vitamine als jede anderen Frucht. Alissa Segerstens Rezept für diese Goji Beeren-Mandel Trüffel ist zum einen super einfach, ein jederzeit sehr willkommenes Mitbringsel und noch dazu ist nicht allzu „ungesund“.

Füllung:
1 cup (ca. 120 g) getrocknete Goji Beeren
½ cup (ca. 100-120 g) Mandelmus
¼ cup (55-60 ml) Ahornsirup
2 Tropfen Vanille-Extrakt

Schokoladenüberzug:
1 cup (175-180 g) dunkle Schokolade
1 TL Ahornsirup
1-2 Tropfen Vanille-Extrakt (optional)

So geht’s:
Die Goji-Beeren, Mandelmus, Ahornsirup und Vanille-Extrakt in einen Mixer geben und zu einer möglichst homogenen Masse verarbeiten. Mir persönlich macht es nix aus, wenn noch ganze Goji-Beeren mit dabei sind. Kleine Portionen der Goji-Beeren-Mandel-Masse mit den Handflächen zu kleinen Kugeln formen und auf einen Teller setzen und beiseite stellen. Wenn die Kugeln sehr weich erscheinen, können diese in den Kühlschrank gestellt werden.

Während man die Kugeln formt, kann schon mal die dunkle Schokolade zusammen mit dem Ahornsirup und dem Vanille-Extrakt im Wasserbad bei niedriger Hitze geschmolzen werden. Sobald die Schokolade flüssig ist, einen Trüffel nach dem anderen vorsichtig in der Schokolade wenden, bis dieser komplett mit Schoki bedeckt ist. Die Schoko-Trüffel auf einen Teller geben. Wichtig: damit die Trüffel nicht auf dem Teller kleben bleiben, einen Bogen Backpapier auf den Teller legen. Sobald alle Trüffel mit Schokolade überzogen sind, den Teller für ca 30 Minuten in den Gefrierschrank stellen. Wenn die Schokolade fest ist, können die Trüffel in einen Glascontainer (oder in eine Tupperschüssel) umgefüllt werden. Im Kühlschrank sind sie bis zu einer Woche haltbar.

Kulinar(r)isch

Dragon Bowl: Reisnudeln mit Gemüse und Erdnusssauce

Dragon Bowl: Reisnudeln mit Veggies und Erdnusssauce

Erdnuss-Sauce? Erdnusssoße? Erdnusssauce? Oder Erdnuss-Soße? Egal! Hauptsache einfach und lecker. Diese Soße ist sehr vielfältig – kann kalt oder warm genossen werden. Als Salatdressing oder zu einem Stir Fry. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Wir haben die Sauce dieses Mal mit Reisnudeln, Tofu, Brokkoli, Sojasprossen, Karotten, Wasserkastanien und frischem Spinat gemischt. [Leider kann ich nicht sagen, dass dieses Essen rein vegetarisch war – denn wir haben das Ganze mit Krabbenchips dekoriert.]

Und so geht’s:
½ cup Erdnussbutter (am besten mit Stückchen)
½ cup Wasser
3 EL Reisessig
2 EL Sojasauce oder Kokos Aminos
1 EL Agavensirup
1 EL Sriracha Sauce
Alle Zutaten in einen Mixer schmeissen und zu einem dickflüssigen Dressing verarbeiten. Abschmecken und ggf. nachwürzen. Ganz nach Eurem Gusto: der eine mag es etwas süßer, der andere etwas saurer und der dritte etwas „erdnussiger“ und der vierte etwas schärfer. Wer die grobe Erdnussbutter verwendet und gerne die Erdnussstückchen in der Sauce haben will, schlägt das Ganze am besten mit einem Schneebesen auf. Im Kühlschrank hält sich die Sauce ca. 5 Tage.

Woll-Lust

Neues vom Woll-Junkie

Meine Hände können einfach nicht stillhalten und die Wolle geht mir irgendwie auch nicht aus. Um meine gefühlten tausend Wollreste endlich zu verarbeiten, habe ich vor Kurzem eine recht gemütliche Wolldecke gehäkelt. Die Anleitung dazu findest du hier.

Und damit der in einem vorherigen Blogpost erwähnte Oktopus nicht so einsam ist, hat er einen etwas bissigen Anglerfisch als Gefährten bekommen.

Allgemein · Reisen

„Spontan“-Ausflug nach Vancouver

Sonnenuntergang in Vancouver

Es ergab sich (wäre wirklich eine zu lange Geschichte, die Umstände zu erläutern), dass wir das die letzten Tage in Vancouver verbringen konnten. Ist ja auch nicht weit weg von uns: in nur knapp 90 Minuten (up north) fährt man von der „City of Subdued Excitement“ in diese malerische, kanadische Millionen-Metropole. Großstadt-Flair – direkt am Wasser und Aussicht auf die Berge. Vancouver ist immer wieder ein Erlebnis. Im Nachhinein drehte sich dieses Mal alles um lange Spaziergänger, das Entdecken „neuer“ (= oder besser: für uns neue :)) Sehenswürdigkeiten, das Ausprobieren von vegetarischen und veganen Lokalen, dem Aufsuchen von Geschäften, die es in der „City of Subdued Excitement“ nicht gibt und auch um (ein wenig) Kunst. Fangen wir doch einfach mal mit den Spaziergängen an. Auf einem unserer Spaziergänge entlang der English Bay stießen wir im Morton Park (Davie and Denman) auf 14 RIESIGE Bronzestatuen, die uns in ihren Bann zogen. „A-maze-ing Laughter“ ist eine Bronze-Installation des Künstlers Yue Minjun. 14 ca. drei Meter große, lachende Männer in lustigen Posen laden zum Schmunzeln, Umarmen und Fotografieren ein. Die Besucher stellen sich gerne in der gleichen Pose unter die Statuen und lassen sich fotografieren. Witzig. Eine sehr schöne Idee.

English Bay, Vancouver, BC
A-maze-ing Laughter, Vancouver, BC

Weiter geht es zu den veganen Restaurants. Wir haben einiges ausprobiert, aber meistens vergessen, Fotos zu machen. Wir können jedoch sagen, dass alles unglaublich gut geschmeckt hat. Zum Beispiel der süß-saure Blumenkohl und der fantastische Burger im „MeeT“ sowie die Cesars Salad und die vegane Pizza im „Virtous Pie„.

Shoppen gehört ja im Grunde zu den Dingen, die ich wirklich verabscheue. Aber wenn wir schonmal in Vancouver sind, dann gehe ich gerne auf einen Sprung zum „Muji“ und in den Unverpackt-Laden „Soap Dispensary„.

Auch kulturell kamen wir in der Vancouver Gallery of Art ganz auf unsere Kosten. Derzeit wird dort die Arbeit von Cindy Sherman präsentiert. Die mir bis dato unbekannte Künstlerin begeisterte mich auf Anhieb.

Vancouver Art Gallery

Cindy wer? Cindy Sherman wurde 1954 in Glen Ridge / NJ, USA geboren und studierte in den 70-er Jahren Kunst am State University College in Buffalo, New York; BFA. Sie zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen inszenierter Fotografie.

Mithilfe von Verkleidungen, Make-up, Prothesen und schaurigen Inszenierungen schlüpft sie in die unterschiedlichsten Rollen. Mal in die Rolle des Clown, dann als Fashionista – sie nutzt Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, um ihr Erscheinungsbild anschließend zu verändern. Dabei agiert sie zugleich vor wie auch hinter der Kamera: ist Fotografin und zugleich Modell. Das Resultat ist ein Sammelsurium voller genüsslich inszenierter Täuschungen und Maskeraden, in welchem sich die Künstlerin konzeptuell mit Fragen der Identität, Rollenbilder, Körperlichkeit und Sexualität beschäftigt. Parodistisch, bissig, manchmal brutal repräsentieren diese Bilder in Anlehnung an kulturelle und soziale Stereotype ein breites Spektrum an Figuren. Hinterfragt werden in der unterschiedlichen Art ihrer Darstellung Werbung, Kino oder klassische Malerei. Im Hintergrund wird eine subtile Analyse der – vor allem weiblichen – individuellen Identität sowie der Fantasien spürbar, die diese auslöst. Beim Betrachten von Shermans Bildern werden viele Emotionen ausgelöst. Ich musste sehr schmunzeln. Manchmal zweimal hinsehen. Manchmal fuhr mir der Schrecken in die Glieder oder ist musste mich fast ein wenig angewidert abwenden. Man taucht ein in ungewisse und konfliktbeladene Bereiche, in denen die Identität des Individuums mit dem kollektiven Unbewussten, mit Stereotypen und symbolischer Macht ringt. Wenn also mal in deiner Nähe eine Cindy Sherman Ausstellung stattfinden sollte, dann schaue sie dir unbedingt an!

Und abschließend noch noch ein schönes Interview mit Cindy Sherman.

Film

Nachschlag – Filmempfehlung

In meinem „Sundance 2020“-Beitrag habe ich u.a. die Doku „The Dissident“ angeführt.
Es geht um den in der saudiarabischen Botschaft in Istanbul ermordeten saudischen Journalisten Jamal Kashoggi. Wer nicht so lange auf den von mir erwähnten Film warten will, kann sich bis dahin eine zweiteilige Doku auf ARTE zu genau diesem Thema anschauen. „Mord im Konsulat“ ist in der ARTE-Mediathek bis zum 18. März 2020 verfügbar.
* Mord im Konsulat, Teil 1
* Mord im Konsulat, Teil 2
Ich werde mir diese Doku in den kommenden Tagen auch anschauen …

Film

Gegen den Strom

Vielleicht habt Ihr den Film schon gesehen. „Gegen den Strom“ („Kona fer i strid“ / „Woman at War“) kam bereits 2018 in die Kinos. Dennoch hatte ich erst jetzt die Gelegenheit diesen Film zu sehen. Ein Meisterwerk, das einen noch lange über das Gesehene nachdenken lässt:
Worum geht’s:
Die unabhängige und selbstbewusste 50-jährige Chorleiterin Halla führt nach außen hin ein ruhiges Leben. Doch der Schein trügt. In ihrer Freizeit sabotiert die leidenschaftliche Umweltaktivistin unter dem Decknamen „Woman of the Mountain“ regelmäßig Aluminiumfabriken und sorgt mit riskanten Aktionen dafür, dass Verhandlungen zwischen der isländischen Regierung und einem internationalen Investor gestoppt werden. Doch dann bringt die Bewilligung eines fast schon in Vergessenheit geratenen Adoptionsantrags Hallas gradlinige Pläne durcheinander. Entschlossen plant sie ihre letzte und mutigste Aktion als Retterin des isländischen Hochlands …
Ein wunderschöner Film mit viel Symbolik. Halla ist eine starke und für sich wertekonform agierende Frau, unabhängig und auf stille Art attraktiv und in sich ruhend. In dieser Figur feiert der Regisseur Benedikt Erlingsson den Mythos der modernen Kriegerin, die Mutter Erde retten will, eine zeitgenössische Amazone. Gleichzeitig erinnert Halla aber auch an die antike Artemis, Göttin des Waldes, der Jagd und des Mondes sowie ­Hüterin der Frauen und Kinder.
Visuell ist der Film der absolute Knaller: die wunderbaren Aufnahmen Islands sprechen für sich und bedürfen keiner Interpretation. Der Einsatz der dreiköpfigen Band und den ukrainischen Volkssängerinnen gibt dem Film etwas Surreales und verleitet den Zuschauer gleichzeitig herrlich unaufdringlich dazu, diesen tonalen Szenen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Fazit: Absolut sehenswert.

* Hier noch ein schönes Interview mit dem Regisseur Benedikt Erlingsson, welches viele offene Fragen nach dem Sehen des Filmes klärt: Benedikt Erlingsson über „Gegen den Strom“.
** Und hier noch der Trailer im Original mit Untertiteln „Kona fer i strid“ / „Woman at War“