Dunedin

Dunedin ist gälisch und bedeutet “Festung am Hügelhang”. Dunedin ist das Edinburgh Neuseelands und mit ca 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Südinsel. Im Jahre 1848 kamen die ersten Siedler von Schottland in Neuseeland an und nahmen dieses Fleckchen Land an der Küste für sich ein. Um 1860 erlebte die Stadt einen wahren Goldrausch und und im Jahre 1869 wurde hier die erste Universität Neuseelands errichtet. Als erste Universität des British Empires wurden hier auch Frauen zum Studium zugelassen. Wie cool ist das denn?!?!

Nun gut – das war ein kleiner historischer Exkurs zum Einstieg. Aber eigentlich wollte ich zu Anfangs etwas von unserer Airbnb-Unterkunft erzählen. Denn das ist die absolut coolste Villa Kunterbunt auf der Halbinsel Otago vor Dunedin! Unsere Gastgeberin Kerry ist eine Künstlerin (ehem. Uni Prof) und hat ihr Haus absolut nach ihren Vorstellungen gestaltet. Und Ihr Leben ist bunt! Sie bemalt Fliesen und verschönert damit das Haus an nur allen erdenklichen Ecken und Enden, verschönert (ganz im Stile Kusamas) das Badezimmer und die Küche mit Polka-Dots, die Fassade ist kunterbunt angemalt und man sieht das Haus schon von Weitem! Und Kerry hat Ihr Haus nicht nur künstlerisch gestaltet, sondern auch hochwertig ausgestattet: Solar speist die Wassertanks, die Haushaltsgeräte und das Badezimmer sind nicht nur funktional (und vom billigsten – wie man das so häufig in Airbnbs sieht), sondern auch schick! Zur Begrüssung drückt uns Kerry ganz herzlich einen Willkommens-Korb mit Obst aus dem eigenen Garten, Eiern von den eigenen Hühnern und eigens gebackenem Brot in die Hand. Standardmässig findet man in jedem Airbnb etwas zum Frühstücken wie Tee, Kaffee, Müsli und etwas Milch/Joghurt. Wir sind ganz gerührt!

img_1300img_1268img_1253img_1267img_1269img_1550img_1547img_1255img_1246

Okay – nachdem wir uns bei Kerry eingenistet haben, fahren wir in die Stadt. Denn diese gilt es schließlich zu erkunden.

Wir beginnen hoch oben – am Stadtrand von Dunedin. Dort wartet auf der Royal Terrace, in einem rot-weißen Backsteinhaus mit Spitzgiebeln und Mansarden eine kleine Reise in die Vergangenheit: Die Olveston-Villa. Zutritt zum „Olveston Historic Home“ gibt es nur im Rahmen geführter Besichtigungen, die sechsmal täglich stattfinden. Fotografieren ist innerhalb des Hauses nicht erlaubt. Der Zutritt zu den Gärten ist kostenlos.

Die opulenten Räume und Salons des Gutshauses im jacobinischen Stil des 17. Jahrhunderts versetzen Besucher in ein vergangenes, goldenes Zeitalter. Das antiquarische Mobiliar, die Wandverkleidungen und Gemälde, die Fenster aus Buntglas und nicht zuletzt die wundervolle Sicht auf Dunedin und die Bucht, machen es einfach, sich wie ein Lord oder eine Lady zu fühlen. Wem in dieser illustren Rolle unwohl ist, der schaut am besten in der Küche und in den Räumen der Bediensteten vorbei, die sich standesgemäß im Untergeschoss befinden. Neuseeland bietet eine ganze Reihe historischer Anwesen aus der Zeit von Jane Austen und ihren Kolleginnen. Viele befinden sich in und um Dunedin, wo sich schon früh wohlhabende Kaufleute und Politiker niederließen. In der Gestaltung ihrer Häuser zeigt sich die Sehnsucht nach der alten Heimat und der Wunsch, hier auf der anderen Seite der Welt eine Kopie davon zu schaffen. Im „Olveston Historic Home“ ist das auf eindrucksvolle Weise gelungen. Errichtet wurde das Anwesen mit 35 Zimmern für den Geschäftsmann und Kunstliebhaber David Theomin und seine Familie, die im Jahr 1906 hier einzogen und bis 1966 in den Räumen wohnten. Nach ihrem Tod vermachte Theomins Tochter Dorothy das Anwesen der Öffentlichkeit, und seit 1967 steht das Haus Besuchern offen.

Theomin, ein erfolgreicher Importeur von Pianos, ließ sein Haus vom Londoner Architekten Sir Ernest George planen. Die Fassaden bestehen aus Backsteinen aus Moeraki-Lehm und sind mit dem typischen weißen Kalkstein verkleidet, den man aus dem nahe gelegenen Oamaru kennt. Das Dach besteht jedoch aus französischen Schindeln, die Tapeten stammen aus New York und die zahllosen Antiquitäten, Kunstwerke und Artefakte sind ein Sammelsurium aus Europa, Asien und dem Mittleren Osten. Das Anwesen ist aber nicht nur eine Sammlung von Kostbarkeiten, sondern auch ein Anschauungsbeispiel dafür, wie man zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch im vergleichsweise rückständigen Neuseeland Komfort und Stil zu kombinieren wusste. Im „drawing room“ empfing die Dame des Hauses ihre Freunde zum „afternoon tea“, im drei Stockwerke hohen „ballroom“ mit Galerie wurde getanzt, in der Bibliothek oder im persisch-gemütlichen „Kartenzimmer“ konnte man entspannte Nachmittage verbringen, während sich die Herren im Billard-Raum vergnügten.

Erstaunlich sind die modernen Annehmlichkeiten, die das Olveston-Anwesen seinen Bewohnern bot: Zentralheizung, elektrischer Toaster und Mixer, mehrere Badezimmer mit Duschen und beheizten Handtuch-Ständern, ein hausinternes Telefonsystem und ein Lastenaufzug.

Der große, im formellen englischen Stil gestaltete Garten rund um das historische Anwesen ist Heimat einiger so alter Bäume, dass er vom Stadtrat als Naturschutzgebiet eingestuft wurde. Einheimische Pflanzen ergänzen sich mit Gewächsen, die aus Europa importiert wurden, und bieten heute rund um das Jahr einen wunderschönen Anblick.

img_1299img_1284img_1313img_1318img_1289img_1282img_1303

Nach dieser Opulenz geht es nach Dunedin downtown. Aber auch hier in der von Schotten gegründeten Stadt findet man keine Spur der sprichwörtlichen Sparsamkeit. In den frühen Goldrausch-Tagen wurde großzügig aus Stein gebaut. Der achteckige Platz – das Octagon – im Zentrum empfiehlt sich als Ausgangspunkt für die Stadterkundung. Also ab ins Parkhaus und los gehts. Vorbei an zahlreichen Restaurants, Kneipen und Geschäften bummeln wir Richtung Bahnhof. Denn die Railway Station ist eines der historischen Highlights. Der schmucke Bahnhof wurde 1904 im Stil der Renaissance gebaut. Die Fassade zieren weisser Kalkstein und grauer Basalt. Im Inneren sind wir von der Pracht des farbenfrohen Mosaikbodens überwältigt. Irgendwie erinnert mich der Bahnhof auch an Harry Potter …

img_1279img_1315img_1306img_1286img_1314img_1293img_1308img_1309

Nachdem wir uns in dem Toitu Otago Settler Museum (= ein hochmodernes Heimatmuseum) ausführlich über die goldreiche Pionierzeit und den Erfahrungen der Maori bei der Besiedlung der Europäer informiert haben, erkunden wir die Stadt noch weiter, bis uns die Füße schmerzen und der Hunger plagt.

img_1310img_1283

Aber in der Stadt wollen wir nicht bleiben. Wir beschließen an den Strand zu fahren. Der Saint Clair Beach ist ein Badestrand, ca 10 Fahrminuten vom Zentrum entfernt. Er lockt mit weichem Sand, einer hübschen Promenade und scheint ein idealer Surfspot zu sein. Wir speisen hervorragend in der „Esplanade“ und lassen den Nachmittag bei einem ausgedehnten Strandspaziergang ausklingen, bevor wir wieder in unsere Villa Kunterbunt zurückkehren.

img_1316img_1301

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s