„Spontan“-Ausflug nach Vancouver

Sonnenuntergang in Vancouver

Es ergab sich (wäre wirklich eine zu lange Geschichte, die Umstände zu erläutern), dass wir das die letzten Tage in Vancouver verbringen konnten. Ist ja auch nicht weit weg von uns: in nur knapp 90 Minuten (up north) fährt man von der „City of Subdued Excitement“ in diese malerische, kanadische Millionen-Metropole. Großstadt-Flair – direkt am Wasser und Aussicht auf die Berge. Vancouver ist immer wieder ein Erlebnis. Im Nachhinein drehte sich dieses Mal alles um lange Spaziergänger, das Entdecken „neuer“ (= oder besser: für uns neue :)) Sehenswürdigkeiten, das Ausprobieren von vegetarischen und veganen Lokalen, dem Aufsuchen von Geschäften, die es in der „City of Subdued Excitement“ nicht gibt und auch um (ein wenig) Kunst. Fangen wir doch einfach mal mit den Spaziergängen an. Auf einem unserer Spaziergänge entlang der English Bay stießen wir im Morton Park (Davie and Denman) auf 14 RIESIGE Bronzestatuen, die uns in ihren Bann zogen. „A-maze-ing Laughter“ ist eine Bronze-Installation des Künstlers Yue Minjun. 14 ca. drei Meter große, lachende Männer in lustigen Posen laden zum Schmunzeln, Umarmen und Fotografieren ein. Die Besucher stellen sich gerne in der gleichen Pose unter die Statuen und lassen sich fotografieren. Witzig. Eine sehr schöne Idee.

English Bay, Vancouver, BC
A-maze-ing Laughter, Vancouver, BC

Weiter geht es zu den veganen Restaurants. Wir haben einiges ausprobiert, aber meistens vergessen, Fotos zu machen. Wir können jedoch sagen, dass alles unglaublich gut geschmeckt hat. Zum Beispiel der süß-saure Blumenkohl und der fantastische Burger im „MeeT“ sowie die Cesars Salad und die vegane Pizza im „Virtous Pie„.

Shoppen gehört ja im Grunde zu den Dingen, die ich wirklich verabscheue. Aber wenn wir schonmal in Vancouver sind, dann gehe ich gerne auf einen Sprung zum „Muji“ und in den Unverpackt-Laden „Soap Dispensary„.

Auch kulturell kamen wir in der Vancouver Gallery of Art ganz auf unsere Kosten. Derzeit wird dort die Arbeit von Cindy Sherman präsentiert. Die mir bis dato unbekannte Künstlerin begeisterte mich auf Anhieb.

Vancouver Art Gallery

Cindy wer? Cindy Sherman wurde 1954 in Glen Ridge / NJ, USA geboren und studierte in den 70-er Jahren Kunst am State University College in Buffalo, New York; BFA. Sie zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen inszenierter Fotografie.

Mithilfe von Verkleidungen, Make-up, Prothesen und schaurigen Inszenierungen schlüpft sie in die unterschiedlichsten Rollen. Mal in die Rolle des Clown, dann als Fashionista – sie nutzt Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop, um ihr Erscheinungsbild anschließend zu verändern. Dabei agiert sie zugleich vor wie auch hinter der Kamera: ist Fotografin und zugleich Modell. Das Resultat ist ein Sammelsurium voller genüsslich inszenierter Täuschungen und Maskeraden, in welchem sich die Künstlerin konzeptuell mit Fragen der Identität, Rollenbilder, Körperlichkeit und Sexualität beschäftigt. Parodistisch, bissig, manchmal brutal repräsentieren diese Bilder in Anlehnung an kulturelle und soziale Stereotype ein breites Spektrum an Figuren. Hinterfragt werden in der unterschiedlichen Art ihrer Darstellung Werbung, Kino oder klassische Malerei. Im Hintergrund wird eine subtile Analyse der – vor allem weiblichen – individuellen Identität sowie der Fantasien spürbar, die diese auslöst. Beim Betrachten von Shermans Bildern werden viele Emotionen ausgelöst. Ich musste sehr schmunzeln. Manchmal zweimal hinsehen. Manchmal fuhr mir der Schrecken in die Glieder oder ist musste mich fast ein wenig angewidert abwenden. Man taucht ein in ungewisse und konfliktbeladene Bereiche, in denen die Identität des Individuums mit dem kollektiven Unbewussten, mit Stereotypen und symbolischer Macht ringt. Wenn also mal in deiner Nähe eine Cindy Sherman Ausstellung stattfinden sollte, dann schaue sie dir unbedingt an!

Und abschließend noch noch ein schönes Interview mit Cindy Sherman.