Nachschlag – Filmempfehlung

In meinem „Sundance 2020“-Beitrag habe ich u.a. die Doku „The Dissident“ angeführt.
Es geht um den in der saudiarabischen Botschaft in Istanbul ermordeten saudischen Journalisten Jamal Kashoggi. Wer nicht so lange auf den von mir erwähnten Film warten will, kann sich bis dahin eine zweiteilige Doku auf ARTE zu genau diesem Thema anschauen. „Mord im Konsulat“ ist in der ARTE-Mediathek bis zum 18. März 2020 verfügbar.
* Mord im Konsulat, Teil 1
* Mord im Konsulat, Teil 2
Ich werde mir diese Doku in den kommenden Tagen auch anschauen …

Gegen den Strom

Vielleicht habt Ihr den Film schon gesehen. „Gegen den Strom“ („Kona fer i strid“ / „Woman at War“) kam bereits 2018 in die Kinos. Dennoch hatte ich erst jetzt die Gelegenheit diesen Film zu sehen. Ein Meisterwerk, das einen noch lange über das Gesehene nachdenken lässt:
Worum geht’s:
Die unabhängige und selbstbewusste 50-jährige Chorleiterin Halla führt nach außen hin ein ruhiges Leben. Doch der Schein trügt. In ihrer Freizeit sabotiert die leidenschaftliche Umweltaktivistin unter dem Decknamen „Woman of the Mountain“ regelmäßig Aluminiumfabriken und sorgt mit riskanten Aktionen dafür, dass Verhandlungen zwischen der isländischen Regierung und einem internationalen Investor gestoppt werden. Doch dann bringt die Bewilligung eines fast schon in Vergessenheit geratenen Adoptionsantrags Hallas gradlinige Pläne durcheinander. Entschlossen plant sie ihre letzte und mutigste Aktion als Retterin des isländischen Hochlands …
Ein wunderschöner Film mit viel Symbolik. Halla ist eine starke und für sich wertekonform agierende Frau, unabhängig und auf stille Art attraktiv und in sich ruhend. In dieser Figur feiert der Regisseur Benedikt Erlingsson den Mythos der modernen Kriegerin, die Mutter Erde retten will, eine zeitgenössische Amazone. Gleichzeitig erinnert Halla aber auch an die antike Artemis, Göttin des Waldes, der Jagd und des Mondes sowie ­Hüterin der Frauen und Kinder.
Visuell ist der Film der absolute Knaller: die wunderbaren Aufnahmen Islands sprechen für sich und bedürfen keiner Interpretation. Der Einsatz der dreiköpfigen Band und den ukrainischen Volkssängerinnen gibt dem Film etwas Surreales und verleitet den Zuschauer gleichzeitig herrlich unaufdringlich dazu, diesen tonalen Szenen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Fazit: Absolut sehenswert.

* Hier noch ein schönes Interview mit dem Regisseur Benedikt Erlingsson, welches viele offene Fragen nach dem Sehen des Filmes klärt: Benedikt Erlingsson über „Gegen den Strom“.
** Und hier noch der Trailer im Original mit Untertiteln „Kona fer i strid“ / „Woman at War“